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Abenteuer für Kinder: Natur pur

Artikelüberschrift Duisburg West, 17.09.2009, Ingo Blazejewsk


(Text ohne Bildmaterial)

Rheinhausen. Grundschüler von der Beethovenstraße lernen im Rheinhauser Volkspark neue Jahreszeiten und die spannende ökologische Vielfalt kennen und auch lieben.

 

Mit dem Schild am Eingang können die Wenigsten etwas anfangen. „Phänologischer Garten” steht auf dem Holzbrett, über dem ein geschnitzter Gnom grinst. Die Anlage liegt mitten im Rheinhauser Volkspark, und doch versteckt, neben der Voliere und den Zwergziegen aus dem Damwildgehege. Der 2500 Quadratmeter große Garten soll Kindern und Jugendlichen näher bringen, was sie im Biologie-Unterricht niemals lernen und vor dem Fernseher verpassen: das schlichte wie spannende Naturerlebnis. Willkommen in der Naturwerkstatt, willkommen in der Welt von Martin Scholz.

Der Geschäftsführer der Naturwerkstatt, die seit einem Jahr als gemeinnützig im Vereinsregister eingetragen ist und mit der Silbernen Umweltnadel als auch mit Förderpreis der Duisburger Umweltstiftung bedacht wurde, ist das, was man in diesem Fall wohl zurecht einen Experten nennen kann. Das wird beim Rundgang durch den Garten schnell deutlich. Es gibt keine Pflanze und kein Insekt, deren Genese und Lebensraum er nicht erklären könnte.

Da stutzt der Laie

Wer den Volkspark für Natur hält, wird in dem Garten eines Besseren belehrt. „Im Volkspark gibt es nicht eine wilde Wiese”, sagt Scholz und kann den Unterschied zwischen gepflegten und ungepflegten Grün auf nicht einmal 30 Quadratmetern anschaulich vor Augen führen. Was da so alles aus dem Boden sprießt, das lässt den Laien stutzen, der manches schlicht als Unkraut bezeichnen würde. Die Samen waren im Boden gespeichert, die Pflanzen sind gewachsen, seit der Verein im April begonnen hat, das von der Stadt gepachte Gelände in einen umweltpädagogischen Garten zu verwandeln. Hier blüht der Nachtschatten neben dem Knöterich und dem Warzenkraut, die Brennessel habe wie die Distel zu Unrecht einen schlechten Ruf, weil sie mitunter Lebensraum für bis zu 30 verschiedene Insekten sei.

„Das sieht alles etwas durcheinander und üsselig aus, aber das ist Absicht. Das Geordnete können die Tiere nicht leiden”, sagt der Agrar-Ingenieur. Tiere gibt es hier nicht weniger als Pflanzen: Schmetterlinge, Spinnen, Schnecken, Libellen, Läuse, Käfer, dazu Enten und Igel im Totholzhaufen, Frösche und Molche im Teich, eine Eule und sogar eine Fledermaus, ein sogenannter Großer Abendsegler, der sich in einer von einem Specht gelöcherten Robinie eingenistet hat.

Wie wichtig das Naturabenteuer für Kinder ist, wird in der Praxis schnell deutlich. Zum dritten Mal haben gestern Drittklässer der Grundschule Beethovenstraße beim Aufbau geholfen. Nicht jeder Schüler wisse, wie man mit einer Schippe umgeht, sagt die Lehrerin. „Man sieht sofort, wer noch nie eine in der Hand hatte.” Die Schüler pflanzen Buchsbäumchen, Kräuter oder Blumenzwiebeln. Weil Playstation und Co zunehmend das Naturerlebnis verdrängen, will die Schule das Projekt jetzt auf alle Klassen ausweiten. Die Kinder sind begeistert dabei, sie merken sich, wo sie was in die Erde gesetzt haben, und sind gespannt, was daraus beim nächsten Besuch geworden ist. „Die Kinder identifizieren sich damit, sie können die Naturkreisläufe nur verstehen, wenn sie diese auch selbst erleben. Dafür braucht es aber auch den entsprechenden Raum. Und genau den wollen wir hier bieten”, sagt Scholz.

Anschauliche Heilkunde

Neuestes Projekt des Vereins, der sich aus Fördermitteln und Einnahmen durch Führungen und Workshops finanziert: ein „Heilenden-Garten”. Derzeit entsteht ein Kräuterbeet in Form eines Menschen. Heilpflanzen mit ihren Wirkstoffen wachsen genau dort, wo sie wirken. Das beruhigende Baldrian und die konzentrationsfördernde Melisse am Kopf, der Salbei am Hals, die Ringelblume gegen Mückenstiche am Arm bis zum sogenannten Beinwell. Natur- und Heilkunde von Kopf bis Fuß, anschaulicher geht es nicht.

Die Projekte und Führungen laufen das ganze Jahr. Kirsch- und Apfelbäume blühen hier, im Winter Haselnuss und Getreide. Womit sich auch der Begriff „phänologisch” erklärt: In dem Garten blühen und reifen bestimmte Pflanzen zur entsprechenden Jahreszeit. Frühling, Sommer, Herbst und Winter liest man hier nicht vom Kalender ab, sondern von der Entwicklung der Pflanzen. So hat das „Phänologische Jahr” auch nicht nur vier, sondern zehn Jahreszeiten.

 
 Stand: 23.10.2012
 
 

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