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(Text: © Martin Kleinwächter /
Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der WAZ vom 25.09.2009)
(Bildmaterial: © Martin Scholz und © V. Ouw-Welkerling)
 

Kleines Wunder der Natur

Artikel erschienen in: Der Westen Duisburg Süd, 24.09.2009, Martin Kleinwächter


Eine simple Streuobstwiese am Dickelsbach entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Lebensraum etlicher Pflanzen und Tiere.


Die Aufmerksamkeit von Kindern zu gewinnen, das wird in Zeiten raffinierter Computerspiele zwar immer schwerer, ist aber dennoch möglich – zum Beispiel auf einer Streuobstwiese.

Feuersalamander
Feuersalamander am Wiesenrand, Foto: © Martin Scholz

Das demonstrierte Martin Scholz von der „Naturwerkstatt” aus Neudorf jetzt mit der Klasse 3b der Wedauer Grundschule Am See. Die 18 Mädchen und Jungen haben sich an diesem Vormittag auf der Wiese hinter dem Forsthaus Wambachsee eingefunden.

Vor dem Forsthaus gibt es zunächst einen Bienenschaukasten zu sehen. Das Faszinierende daran: Sein Eingangsspalt wird nicht nur von Wächtertieren bewacht. Vielmehr halten sich dort auch „Leichenträger” auf, um die Verstorbenen unter den bis zu 6 000 Bewohnern herauszutragen. Allein das Wort „Leichenträger” weckt die Neugier der Kinder.

Bienen Forsthaus 3
Foto oben: © Victoria Ouw-Welkerling / WedauLink


Bevor Scholz und Klassenlehrerin Nicole Heller die Kinder auf die unscheinbare Streuobstwiese schicken, gilt es noch einmal, aufmerksam zuzuhören. Der Natur-Experte versucht, ihnen die Vielfalt der Pflanzen und Tiere in diesem typischen Teil der niederrheinischen Kulturlandschaft deutlich zu machen. Scheibenblütler wie die Margarite etwa ziehen Käfer und Fliegen an, die darin nach Blütenpollen suchen. Glockenblütler wie die Glockenblume dagegen bieten Fliegen, Bienen und Hummeln Pollen und Nektar. Lippenblütler wie die Weiße Taubnessel dagegen locken außerdem Schmetterlinge an. „Auf so einer ungemähten Streuobstwiese wachsen 20 bis 30 verschiedene Pflanzen”, erklärt ihnen Scholz. Auf einem gepflegten Rasen sind es nur noch zwei oder drei.”

Raupen des Kohlweisslings
Raupen des Kohlweißlings auf Kapuzinerkresse, Foto: © Martin Scholz

Die Früchte dieser Pflanzen dienen Distelfink und Zaunkönig als Nahrung. Schnaken und Mücken locken Fledermäuse an. Mäuse machen sich hier auf die Suche nach Grassamen. Und ihnen wiederum lauern Steinkauz und Mäusebussard in der Luft auf – ein vielfältiger Lebensraum also, den es für die Kinder zu erkunden galt.

Scholz drückt jedem Kind zu diesem Zweck eine Becherlupe in die Hand und schickt sie los, von den kniehohen Blättern auf der Wiese Kleintiere einzufangen. „Ich hab’s, ich hab’s”, ruft Jan und bringt ein Insekt herbei, das er für eine Wespe hält. „Das ist aber eine Schwebfliege”, klärt ihn Martin Scholz auf. Einige Tiere hätten sich im Laufe der letzten Million Jahre eben darauf spezialisiert, andere, gefährlichere Tiere nachzuahmen. Die Scheu der Kinder vor den angeblichen „Wespen” beweist ihm, dass das auch heute noch klappt. Kleiner Unterschied zur Wespe: Die Schwebfliege hat keine Taille. Betyl und Lynn betrachten einen Schmetterling unter ihrer Lupe. Scholz’ Insektenführer hilft dabei, ihn zu identifizieren: Waldbrettspiel wird diese Art genannt.

Groß ist die Aufregung auch, als die Kinder Spinnen einfangen, die Wolfspinne und die Krabbenspinne nämlich. „Die Wolfspinne läuft der Beute am Boden hinterher”, erklärt ihnen der Naturkundler. „Sie baut keine Netze.” Und die Krabbenspinne nehme die Farbe der Blüte an, auf der sie gut getarnt auf Beute lauere. „Ich hätte nicht gedacht, dass es hier so abwechslungsreich ist”, befindet die Klassenlehrerin. Und auch Anton Bloem, ein Schülervater, der die Klasse begleitet, wundert sich, wie wenig man sich als Passant dieses kleine Wunderwerk der Natur bewusst mache.

Raupe Ahorn-Rindeneule
Die Raupe der Ahorn-Rindeneule findet man auf Obstwiesen und an Waldrändern. Sie ist nicht häufig anzutreffen. Bei Beunruhigung rollt sich die Raupe ringförmig ein und gibt dann ein fremdartiges Bild ab. Foto: © Martin Scholz

 

 
 
 Stand: 27.09.2009
 
 

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